Der Schulstart oder Kindergartenalltag ist für viele Familien eine Herausforderung – besonders, wenn Kinder verweigern, wütend werden oder emotional überfordert nach Hause kommen. In dieser Folge von «Herausforderung bedürfnisstark» gehen Goni und Céline der Frage nach:Wie können Eltern ihre Kinder unterstützen, ohne in Machtkämpfe, Schuldgefühle oder Überforderung zu geraten?Mit praktischen Strategien, psychologischem Verständnis und Alltagstipps zeigen sie Wege auf, wie Übergänge, Schulstress und emotionale Ausbrüche gelassener gemeistert werden können. Und die Eltern dabei Klarheit schaffen und in Verbindung mit dem Kind bleiben können.
Hier kannst du die Podcastfolge hören:
Im Folgenden findest du eine Zusammenfassung der Podcastfolge, die mittels KI erstellt wurde.
Der Schulstart oder der Eintritt in den Kindergarten ist für viele Familien eine aufregende Zeit. Doch wenn dein Kind bedürfnisstark ist, hochsensibel, neurodivergent oder einfach anders tickt, können diese Übergänge zur echten Belastungsprobe werden. Der Morgen wird zum Kampf, das Kind verweigert sich, kommt überreizt nach Hause oder ist nachmittags völlig aufgelöst.
In diesem Artikel erfährst du, warum gerade Übergänge für viele Kinder so herausfordernd sind und welche konkreten Strategien dir helfen können, den Alltag zwischen Kindergarten, Schule und Zuhause entspannter zu gestalten.
Zwei Geschichten aus dem Alltag
Lukas ist 6 Jahre alt und frisch eingeschult. Jeden Morgen das gleiche Theater: Er sitzt auf den Treppenstufen, die Schuhe sind nicht angezogen, der Rucksack liegt am Boden. Er sagt einfach: „Ich gehe nicht.“ Sein Vater Andreas steht daneben, Jacke schon an, innerlich zerrissen zwischen Ungeduld (sie kommen sonst zu spät!) und Verzweiflung. Schon seit über einer Woche läuft das so. Jeden Tag ist irgendetwas falsch, das Zeug, die Hose, irgendwas.
Dann haben wir Emma, 5 Jahre alt. Sie geht in den grossen Kindergarten und der Hinweg klappt eigentlich gut. Sie läuft alleine, scheint auch gerne hinzugehen. Aber wenn sie nach Hause kommt? Ihre Mutter Sabrina ist ratlos: Emma wirft ihre Sachen irgendwo hin, will nicht essen, ist aggressiv gegenüber dem kleinen Bruder. Wenn Sabrina fragt, was los ist, wird Emma nur wütend, geht weg, schlägt Türen zu, flucht im Zimmer herum.
Diese Geschichten kommen dir vielleicht bekannt vor. Sie sind typisch für Familien mit bedürfnisstarken Kindern und zeigen die zwei Hauptherausforderungen beim Thema Schule und Kindergarten: der schwierige Morgen und das überreizte Nachhausekommen.
Warum sind Übergänge für bedürfnisstarke Kinder besonders schwierig?
Übergänge sind für viele Kinder, besonders solche mit Neurodiversitäten wie ADHS, Autismus-Spektrum, Hochsensibilität oder hoher Begabung, ein riesiges Thema. Das betrifft nicht nur den Schulstart oder den Kindergarteneintritt, sondern auch alltägliche Wechsel wie das Verlassen des Hauses, das Nachhausekommen vom Spielplatz oder den Übergang von einer Aktivität zur nächsten.
Bei bedürfnisstarken Kindern kommt erschwerend hinzu, dass sie oft sehr intensiv wahrnehmen, was um sie herum geschieht. Sie nehmen Stimmungen auf, reagieren empfindlich auf Reize und brauchen mehr Zeit, um sich auf neue Situationen einzustellen.
Der Druck von aussen macht es schwieriger
Was bei Schule und Kindergarten besonders herausfordernd ist: Es kommt eine Instanz von aussen dazu, die ihre Forderungen stellt. Die Schulpflicht in der Schweiz, Österreich und Deutschland. Die Erwartung, pünktlich zu sein. Der potenzielle Erklärungsbedarf gegenüber Lehrpersonen.
Bei kleineren Kindern kannst du vielleicht noch sagen: „Gut, dann gehen wir heute halt nicht auf den Spielplatz.“ Aber bei Schule und Kindergarten? Da gibt es wenig Spielraum. Das erhöht den Druck im Elternhaus massiv.
Und dann kommt noch das Thema Schuld dazu. Viele Eltern fühlen sich verantwortlich, wenn es nicht klappt. Sie fragen sich, ob sie etwas besser machen müssten. Manchmal wird diese Verantwortung auch von der Schule so kommuniziert, dass Eltern das Gefühl bekommen, sie müssten schauen, dass das Kind kommt.
Die Verantwortung liegt grundsätzlich schon im Elternhaus, nur ist es halt einfach so, dass die Kinder auch ihren Teil dazu beitragen. Und wenn man nicht einfach nur mit purem Zwang arbeiten will, dann braucht es andere Wege.
Wenn das Kind morgens nicht in die Schule will
Der Morgen ist für viele Familien die schwierigste Zeit. Wie bei Lukas: Er sitzt auf den Treppenstufen und blockiert. Die Schuhe bleiben aus. Andreas steht daneben, innerlich zerrissen zwischen dem Druck, pünktlich zu sein, und der Verzweiflung, weil er nicht weiss, wie er seinen Sohn erreichen kann. Schimpfen, Druck machen oder drohen fühlt sich falsch an, und bei Lukas funktioniert es ohnehin nicht.
Struktur und Klarheit schaffen
Wenn das Kind am Morgen blockiert, hilft oft eines am meisten: Struktur und Klarheit in den Morgenablauf bringen. Gerade wenn die Schulpflicht erst frisch begonnen hat wie bei Lukas in der zweiten Schulwoche, sind viele Kinder überfordert mit all den neuen Abläufen.
Visualisierung als Orientierungshilfe
Viele bedürfnisstarke Kinder profitieren davon, wenn der Ablauf visualisiert wird. Das kann verschiedene Formen annehmen:
Fotobuch oder Bildkarten: Du erstellst ein kleines Buch mit Fotos vom Kind beim Anziehen, Zähneputzen, Frühstücken. So kann das Kind blättern und weiss genau, was als Nächstes kommt.
Piktogramme auf einer Tafel: Eine Tafel mit Symbolen zeigt den Ablauf in der richtigen Reihenfolge. Das Kind kann jeden Schritt abhaken.
Kleidermännchen: Die Kleider werden in der richtigen Reihenfolge übereinander gelegt. Die Unterhose liegt zuoberst, dann geht es von oben nach unten. So ist klar, womit man anfängt.
Kleiderstrasse: Die Kleider werden wie eine Strasse auf dem Boden ausgelegt. Das Kind geht die Strasse entlang und zieht sich dabei an.
Wichtig dabei: Man muss nicht alles visualisieren. Schau einfach, welcher Punkt schwierig ist, und setz dort an. Wenn das Anziehen bei Lukas gut klappt, braucht es dort nichts. Wenn aber der Übergang von „im Bett liegen“ zu „aufstehen“ schwierig ist, kann man genau dort ansetzen.
Der richtige Zeitpunkt macht den Unterschied
Was häufig übersehen wird: Der Zeitpunkt, wann man Dinge vorbereitet, ist entscheidend. Am Abend vorher die Kleider bereitlegen klingt simpel, aber vielleicht ist das Kind abends schon übermüdet oder im Hungerloch.
Besser: Am Nachmittag um 16 Uhr, wenn das Kind noch mag, wenn die Bedürfnisse gedeckt sind, wenn es schon seine Pausen hatte. Dann ist auch der Raum da, um gemeinsam die Kleider für morgen zu machen. Das kann sogar fast spielerisch geschehen statt als Pflicht. Anstatt Lego zu spielen, legen wir die Kleider bereit.
Jetzt denkst du vielleicht: Das ist zu kompliziert. Was soll ich hier alles machen? Ja, ist es. Aber die Frage ist: Was braucht dich als Begleitung mehr Ressourcen? Braucht es dich mehr Ressourcen, wenn du dann am Morgen irgendwie ein mega Desaster hast und den Druck vom pünktlich ankommen? Oder braucht es dich mehr Ressourcen, wenn du einfach quasi noch fast als Spiel und friedlich miteinander die Kleider einen Tag vorher bereitlegst?
Das darfst du manchmal abwägen, wenn du das Sonderprogramm machen musst.
Timer und Lieder als auditive Orientierung
Für Kinder, die schon selbstständiger sind als vielleicht ein Erstklässler wie Lukas, können Timer mit Liedern eine grosse Hilfe sein. Du programmierst im Smartphone oder iPad verschiedene Lieder zu fixen Zeiten. Jedes Lied steht für einen Schritt:
Wenn dieses Lied läuft, ist es Zeit zum Anziehen. Wenn jenes Lied läuft, gibt es Frühstück. Wenn wieder ein anderes Lied läuft, ist es Zeit für Schuhe und Jacke.
Der grosse Vorteil: Das Kind bekommt regelmässig einen Fokus-Reminder, ohne dass Andreas ständig rufen muss „Lukas, wo bist du?“, „Hallo, wir haben doch abgemacht!“. Es kommt nicht auf die Kampfebene zwischen Vater und Sohn.
Ich habe das sogar schon häufig von Eltern so erlebt, dass dann auf einmal das Kind sagt: „Oh nein, jetzt hat das und das geläutet und ich bin immer noch am Anziehen!“ Und dann kann Andreas wie ein Buddy, ein Teammate kommen und sagen: „Kann ich dir etwas helfen? Dann schaffen wir das sicher noch. Komm, jetzt geben wir ein bisschen Gas, dann kriegen wir das noch hin.“
Dann ist er nicht ständig als Elternteil am Ziehen, am Pushen, am Machen und am Tun, was ja häufig die Eltern am meisten stresst, sondern er kann sein: „Yes, zusammen als Team kehren wir das hin. Diesen Sieg holen wir uns.“
Enge Begleitung kostet Ressourcen, aber verhindert Eskalation
Für manche Kinder braucht es auch einfach enge Begleitung. Andreas könnte zu Lukas hingehen und sagen: „Schau, jetzt ist es Zeit, dass du dich anziehst. Leg zuerst dein T-Shirt an.“ Und er bleibt dabei.
Ja, das ist aufwendig. Aber vielleicht ist es eben auch wieder für die eigene Energie besser, als die ganze Zeit rufen und stressen zu müssen. Es muss ja nicht der ganze Morgenablauf sein, aber vielleicht gewisse Schritte, bei denen Lukas eine Begleitung braucht.
Es gibt Kinder, die verlieren sich, sobald du aus dem Raum bist. Aber wenn eine erwachsene Person mit ihrer Präsenz da ist, können sie den Fokus behalten. Bei den Hausaufgaben ist das übrigens dasselbe Phänomen: Manche Kinder brauchen einfach jemanden im Raum, der da ist, damit ihr Gehirn fokussiert bleiben kann. Man muss nicht mal etwas sagen, die Präsenz allein reicht schon.
Die innere Klarheit der Eltern macht einen Unterschied
Etwas, das ich in meiner Arbeit immer wieder beobachte: Wenn Eltern innerlich aufhören zu zweifeln, ob das System richtig ist für das Kind, und stattdessen klar werden, dass es nicht die Frage ist ob, sondern wie, dann verändert sich oft massiv etwas.
Bei vielen Familien, die ich begleitet habe, ging es nie um die Schule, sondern um den Kindergarten, als das Kind frisch in den Kindergarten ging. Bei vielen hat es unglaublich geholfen, als sie innerlich aufgehört haben zu zweifeln, ob das System richtig ist für das Kind. Als sie innerlich entschieden haben, dass es nicht die Frage ist, ob mein Kind geht. Es ist Pflicht und mein Kind geht und mein Kind und ich, wir schaffen das.
Da spürst du schon, ich werde so ein bisschen klar, also wo wie die Klarheit gekommen ist: Wir kriegen das hin. Jetzt ist nur noch die Frage wie. Hat sich spannenderweise bei manchen Familien so etwas Massives verändert, dass das Thema quasi von null auf hundert weg war.
Wichtig dabei: Das bedeutet nicht, dass die Eltern schuld sind, wenn es nicht klappt. Es kann absolut unabhängig von der Einstellung der Eltern schwierig sein für das Kind. Aber die innere Klarheit kann ein Aspekt sein, der hilft.
Transparenz mit der Schule schafft Entlastung
Was vielen Eltern hilft und auch Andreas helfen könnte: Mit der Lehrperson transparent zu sein. Nicht ein Riesenfass aufmachen, aber kommunizieren: „Im Moment ist der Übergang in die Schule sehr herausfordernd für Lukas. Wir sind dran, es ist ein Lernprozess. Falls Lukas mal zu spät kommt, liegt es nicht daran, dass wir uns nicht kümmern, sondern daran, dass wir gerade noch Schwierigkeiten zu bewältigen hatten. Wir mussten noch das Gefühlschaos trösten oder lösen.“
Das gibt Andreas wie einen Fallschirm. Es lässt keinen Spielraum für Interpretationen wie „die Eltern kümmern sich nicht“ oder „das Kind ist verwahrlost“. Das ist oft eine Angst, die mitspielt: Was denken die über mich? Und schlussendlich ist es ja nicht Andreas, sondern Lukas.
Grundsätzlich finde ich es auch wichtig, mit der Schule zu kommunizieren, wenn es schwierig ist. Es könnte ja sein, dass sich das steigert und irgendwann geht es nicht mehr, und die Lehrperson hat von nichts gewusst. Weil sie nur sieht, dass das Kind jeden Morgen kommt und dann geht es eigentlich gut, weil sie das gar nicht mitbekommt, was am Morgen passiert.
Und dann geht das vielleicht drei, vier Wochen und plötzlich kommt das Kind nicht mehr. Und die Lehrperson hat gar nicht gewusst, dass das ein Thema ist und vielleicht hatte sie auch noch eine Idee. Vielleicht ist ihr etwas in der Schule aufgefallen, was man anders machen könnte.
Wenn das Kind nach Kindergarten oder Schule völlig überreizt nach Hause kommt
Es gibt auch die andere Variante, wie bei Emma: Sie schafft den Hinweg. Sie läuft alleine zum Kindergarten, scheint auch gerne hinzugehen. Aber wenn sie nach Hause kommt, ist sie völlig aufgelöst. Sie wirft ihre Sachen irgendwo hin, will nicht essen, ist aggressiv gegenüber dem kleinen Bruder. Wenn Sabrina fragt, was los ist, wird Emma nur wütend, geht weg, schlägt Türen zu, flucht im Zimmer herum.
Der Staudamm bricht
Viele dieser Kinder können sich unglaublich gut zusammenreissen. Im Kindergarten ist Emma wahrscheinlich voll angepasst, voll dabei. Sie singt im Kreis mit, macht beim Turnen mit. Niemand merkt, dass es ihr nicht gut geht.
Aber Emma nimmt vielleicht alles auf. Dass Petra traurig ist. Dass Paul sich das Bein wehgetan hat. Dass Moritz auf die Nase gefallen ist und geweint hat. Sie war voll angepasst, voll in Ordnung, voll dabei, hat alles mitgemacht.
Und dann kommt sie nach Hause, in ihr gewohntes Umfeld, wo sie weiss: Hier bin ich eh geliebt. Und dann bricht ein Staudamm von Gefühlen. Auf das Essen. Auf den Bruder. Auf Sabrina, die fragt.
Das Essen ist nur der Nebenschauplatz
Häufig ist es das Essensthema, wo es eskaliert. Sabrina hat gekocht, aber es ist nicht das, was Emma will. Dann gibt es den Ausbruch. Viele Eltern steigen darauf ein und fühlen sich betupft: „Aber hier habe ich es doch extra so gemacht! Das ist doch eigentlich dein Lieblingsessen!“
Wenn du das energetisch anschaust: Sabrina ist dann auf der Seite des Essens, nicht auf der Seite von Emma. Emma ist auf der einen Seite, das Essen auf der anderen, und dazwischen ist wie eine Trennung. Das Essen ist für Emma in diesem Moment nicht erreichbar. Wenn Sabrina für das Essen diskutiert, ist sie auf der Seite des Essens.
Aber wenn sie es schafft, auf die Seite von Emma zu hüpfen, kann sie die Gefühle begleiten, bleibt aber trotzdem beim Nein. Wenn es halt heute keine Bananen gibt oder was auch immer.
Manchmal habe ich das Gefühl, das Essen ist ein Nebenschauplatz. Aber eigentlich geht es ja gar nicht ums Essen. Für mich ist es wie ein Staudamm, der bricht. Das sind Nebenschauplätze, die ich gar nicht lösen muss, gar nicht diskutieren muss.
Was braucht dein Kind, um sich zu regulieren?
Die Frage ist: Was braucht Emma, damit der Staudamm zwar brechen darf, sie sich aber auch wieder regulieren kann?
Das können ganz unterschiedliche Dinge sein:
Rückzug und Ruhe: 10 bis 15 Minuten, in denen Emma einfach für sich sein kann. Der kleine Bruder geht nicht hin, niemand stellt Fragen. Emma darf sich zurückziehen und runterkommen.
Bewegung: Auf dem Trampolin springen, um die Reize abzubauen. Oder im Garten rennen, klettern, toben. Manche Kinder brauchen körperliche Aktivität, um überschüssige Energie loszuwerden.
Körperkontakt: Erst mal kuscheln, ein Bilderbuch anschauen, gemeinsam auf der Couch runterkommen. Die Co-Regulation durch Sabrinas ruhige Präsenz hilft Emma, sich zu regulieren.
Etwas zu essen: Manche Kinder sind unterzuckert und können dann nicht mehr gut funktionieren. Ein Rüebli, ein Stück Brot oder ein paar Nüsse können Wunder wirken. Vielleicht schon auf dem Schulweg.
Der Schulweg als Entladungsventil: Emma geht schon alleine in den Kindergarten. Aber vielleicht darf sie trödeln auf dem Nachhauseweg. Einem Schmetterling zuschauen, Steine sammeln, auf Mauern balancieren. Auch wenn sie dann 20 Minuten später nach Hause kommt. Diese Zeit hilft, runterzukommen.
Ich kenne einen Jungen, dessen Mutter wollte, dass er mit den Schulkameraden zusammenläuft. Aber er musste eigentlich springen. Er hatte nicht die Erlaubnis zu springen, weil er für den anderen Jungen mit ihm laufen musste. Da war es wichtig, ihm zu erlauben, nicht mit dem Bub zu laufen, sondern einfach Vollgas zu springen. Dann kam er viel ausgeglichener nach Hause, weil er es über das Springen abbauen konnte.
Es gibt so viele Möglichkeiten. Manchmal weiss man es halt auch einfach nicht. Dann hat man eine Ahnung und probiert etwas aus. Vielleicht bringt es überhaupt nichts, wenn Emma, wenn sie nach Hause kommt, Ruhe hat. Vielleicht braucht sie etwas völlig anderes. Vielleicht braucht sie körperliche Nähe. Vielleicht muss sie sich bewegen. Es kann ganz unterschiedlich sein.
Flexibilität beim Essen kann helfen
Hier kommt noch ein Punkt, der vielen heilig ist: Wir essen alle zusammen am Tisch, um 12 Uhr. Ist es notwendig, dass man als erstes gleich isst, wenn das Kind nach Hause kommt?
Oder lässt man das Essen vielleicht ein bisschen stehen und es ist dann nicht mehr so warm, aber dafür hat man zuerst ein Büchlein angeschaut und gekuschelt, hat Emma geholfen, mit dem eigenen Nervensystem ihr Nervensystem auszugleichen und zur Ruhe zu kommen, damit man nachher friedlich an den Tisch sitzen kann und Emma dann auch essen kann? Und es nicht blockiert ist mit Essen.
Das widerstrebt ja auch vielen, dass man dann sagt, nein, wir essen zusammen am Tisch und es wird nicht vorher schon irgendetwas gesnackt, gerade wenn das Kind heimkommt. Und ich finde, da kann man dann auch schauen, ob das für einen funktionieren würde, wenn das Kind sich z.B. zurückzieht 10 Minuten und dazu schon mal irgendein Rüebli isst oder schon etwas knabbert. Dass es wieder besser funktioniert, weil es einfach daran liegen kann, dass es gerade nicht geht.
Bei uns zu Hause gab es sogar eine kurze Phase, in der eine meiner Töchter alleine im Zimmer Mittag gegessen hat. Ich musste ziemlich viele heilige Kühe auf die Weide lassen. Dass das für mich ging, dass sie das macht. Spannenderweise hat das nicht ewig gebraucht. Sie ist freiwillig wieder am Tisch zurückgekommen.
Aber es war für eine kurze Zeit notwendig, damit sie wusste, dass sie nicht wieder in diese Struktur zu Hause reinpassen muss. „Wir essen jetzt am Tisch zusammen.“ Sie durfte, wenn es ihr wirklich gar nicht gut ging, das Essen auch einmal alleine im Zimmer nehmen.
Auch dort darf man auch mal unorthodoxe Massnahmen vielleicht zulassen. Und vielleicht braucht es dazu, dass man eine persönliche heilige Kuh oder einen Wert, der einem ganz wichtig ist, halt wirklich auch mal sich getraut, für eine Zeitchen mal über Bord zu werfen, wenn das geht und man nicht das Gefühl hat, man verlügnet sich damit, um einfach mal eine Möglichkeit von Ruhe hineinzubringen.
Das System anschauen, aber nicht zu früh
Wenn das Thema über Wochen und Monate anhält, lohnt es sich, tiefer zu schauen. Dann ist es wichtig, mit der Kindergartenlehrerin oder dem Lehrer ins Gespräch zu gehen:
Wie ist das Kind dort? Wie ist Emma im Kindergarten? Hat sie Kollegen? Wie benimmt sie sich? Wann ist es schwierig?
Was hat das Kind für Bedürfnisse zu Hause? Braucht Emma viel Rückzug? Ist sie zu Hause ein ganz anderes Kind als im Kindergarten?
Man schaut dann wie das Gesamte an. Nicht nur: Das Kind muss von den Eltern geschickt werden. Sondern man schaut, ob irgendetwas schwierig ist. Und das gesamte System wird angeschaut.
Gerade bei den bedürfnisstarken Kindern kann es ja auch irgendein Vorfall sein im Kindergarten. Es ist auch zum Teil sehr abhängig mit der Lehrerin oder dem Lehrer, der in dem Moment gerade am Ruder ist.
Manchmal ist es auch tagesspezifisch. Vier Tage läuft es gut, am Freitag ist immer das Problem, weil am Freitag der Lehrer XY da ist. Oder die anderen vier Tage war ein Vorfall mit einem anderen Kind.
Das darf man gut ausschauen mit dem Klassenlehrer, mit dem System suchen. Und auch schauen, wo wir Schlüssel in der Hand haben, um Dinge zu verändern.
Ich weiss von Kindern, die bis in die Sonderschule gefallen sind, die hochintelligent sind, weil sie dermassen dumm getan haben. Dann hat man gemeint, sie seien ein wenig beschränkt, obwohl sie eigentlich in die Sparte Hochintelligenz gehen.
Oder ich weiss sogar von Kindern, bei denen es ein riesiges Thema im Kindergarten war. Das Kind hätte wahrscheinlich ADHS, man müsse es abklären und es ist so schwierig und sowieso und überhaupt. Es kam in die Schule zu einem anderen Lehrer. Und der Lehrer fand, das Kind macht super mit. Überhaupt kein Thema. Nein, das ADHS hat das sicher nicht. Also wenn, dann ist es vielleicht hochintelligent. Aber etwas anderes sicher nicht.
Man hat das Gefühl, man spricht nicht vom gleichen Kind. Aber es war auch eine andere Lehrperson.
Zu Beginn: Den Übergang meistern, nicht das System hinterfragen
Wenn es aber erst die zweite Schulwoche ist wie bei Lukas, ist es für mich zu früh, das ganze System zu hinterfragen. Da geht es um den Übergang. Und Übergänge brauchen Zeit.
Es kann sogar hinderlich sein, wenn du als Elternteil schon innerlich fragst: Ist das System das Richtige für mein Kind? Diese Zweifel können das Kind verunsichern. Am Anfang, wenn es um den Übergang geht, finde ich, hilft es, wenn man als Eltern sonnenklar ist: Wir schaffen das.
Vielleicht auch nicht nur als eine Hürde oder als etwas Schwieriges anzuschauen, sondern mit einem Perspektivwechsel. Zum Beispiel: „Hey, du kannst in die Schule gehen!“ Wenn ich in den Ausgang gehe, freue ich mich. Wenn das Kind in die Spielgruppe oder in die Schule geht, kann ich das auch als etwas Positives besetzen: „Hey wow, cool, jetzt hast du etwas für dich!“ So wie ich gerne mit einer Freundin mal weggehe oder auch sehr gerne mal arbeiten gehe, gehst jetzt du quasi in die Schule. Das ist dein Arbeitsort. Das ist dein Kokon, dein eigener, da habe ich nichts zu suchen als Eltern.
Wenn man das auch als etwas Positives, als etwas Lässiges besetzen kann. Mir ist völlig klar, da kommen dann die eigenen Geschichten hervor, wie habe ich die Schulzeit erlebt. Das muss man sich auch bewusst sein. Wie haben wir die Schulzeit erlebt? Spielt das mit rein? War es für uns als Eltern schwierig? Oder lässig? Aber ich finde, der Perspektivwechsel kann auch sehr helfen, um so ein Kind auch anders zu transportieren.
Viele bedürfnisstarke Kinder sind sogar enorm entlastet, wenn viel Struktur da ist und viel vorgegeben ist, wie man es macht und wann man es macht, weil sie dann nicht ständig ihre innere Führung aktivieren müssen und selber überlegen müssen. Sie können trotzdem Schwierigkeiten haben, um in die Schule zu gehen oder nicht gehen zu wollen, weil es vielleicht ein bisschen laut ist oder der Übergang, der Weg dorthin schwierig ist oder das Tschüss sagen oder das Haus verlassen. Aber eigentlich die Struktur selber, der Ort selber, tut ihnen nachher noch gut.
Die Rolle der Gefühle verstehen
Hinter allem sind Gefühle. Hinter der Verweigerung, hinter der Aggression, hinter den Tränen. Solange sich jemand in seinen Gefühlen nicht abgeholt fühlt, ist er nicht nachhaltig lösungsbereit.
Das gilt für dein Kind, aber auch für dich. Wenn du als Mutter traurig oder überfordert bist, kannst du nicht nach Lösungen suchen. Du musst zuerst in deiner Trauer gesehen werden.
Genauso ist es beim Kind. Wenn Lukas auf den Treppen sitzt und nicht gehen will, dann braucht er zuerst jemanden, der sagt: Ich sehe dich. Ich sehe, dass es dir schwerfällt. Ich sehe, dass du überfordert bist.
Wenn Emma nach Hause kommt und wütend ist, dann braucht sie zuerst jemanden, der ihre Gefühle sieht, bevor sie in der Lage ist, zum Mittagstisch zu kommen.
Den Fokus vom Verhalten auf die Überforderung verschieben
Ich finde den Fokus von der Verhaltensweise wegzunehmen sehr wichtig. Emma ist aggressiv und Lukas ist, was man immer denken würde, trotzig oder was man für einen Gedanken im Kopf hat. Man nimmt den Fokus davon weg und schaut auf die Überforderung.
Man schaut, was das Kind in dieser Situation unterstützen kann, damit es diese besser handeln kann. Manchmal hat man das Gefühl, man müsse das abstellen, damit das passiert. Mit Druck, mit Schimpfen, mit Bestrafung. Das ist manchmal die erste Tendenz.
Ich finde, es hilft, wenn man sich bewusst ist: Das ist keine aktive Verweigerung, die bewusst vom Kind passiert. Sondern das Kind ist systemisch überlastet. Es ist mit seinen Emotionen überfordert oder mit dem Übergang. Dass das ein Ausdruck davon ist, auch wenn es eine Wut oder eine Aggression ist wie jetzt von Emma den Geschwistern gegenüber. Dass man nicht auf die Aggression schaut, sondern mehr schaut, was das ausdrückt und dorthin schaut: Woher kommt das?
Ist das einfach eine Reizüberflutung? Hilft es, wenn man nach Hause kommt, die Reize zu reduzieren? Und wenn das Kind nach Hause kommt, braucht es vielleicht 10 oder 15 Minuten, in denen es Ruhe hat, in denen das Geschwisterchen nicht hingeht, in denen es einfach mal runterfahren kann, zum Beispiel.
Also wirklich ein wenig punktueller schauen, was es sein könnte, dass man ganz konkret Dinge ausprobiert.
Gefühle begleiten statt Verhalten korrigieren
Das bedeutet nicht, dass du jedes Verhalten gut findest. Emma darf nicht den kleinen Bruder hauen, auch wenn sie überfordert ist. Aber du verstehst, dass hinter dem Hauen eine Überforderung steckt.
Du kannst sagen: „Ich sehe, dass es dir gerade nicht gut geht. Ich verstehe, dass du überfordert bist. Und gleichzeitig darf dein Bruder nicht gehauen werden. Was brauchst du jetzt?“
So bleibst du auf der Seite von Emma, setzt aber trotzdem eine Grenze. Du begleitest die Gefühle, ohne das Verhalten zu erlauben.
Für mich ist es wie dieses Bild: Ich arbeite ja sehr viel mit Gefühlen begleiten, das ist eigentlich so mein Hauptthema. Weil ich wie der Meinung bin, hinter allem sind Gefühle. Irgendwo dahinter schimmert entweder eine Angst, eine Unruhe, Wut oder Empfindungen und Gefühle.
Ich habe das Gefühl, ich bin davon überzeugt, das muss nicht die Wahrheit sein, aber meine Überzeugung: Solange sich jemand in den Gefühlen nicht abgeholt fühlt oder in seinen Empfindungen, ist er nicht nachhaltig lösungsbereit.
Für mich muss der erste Schritt immer sein: Ich hole dich ab, wo du mit diesen Empfindungen stehst. Auch bei mir im Coaching ist das A und O. Wenn eine Mutter traurig ist, kann ich nicht mit ihr Lösungen suchen. Dann muss sie zuerst in der Trauer einmal gesehen werden.
Und wenn das angekommen ist, dass es ein Gegenüber ist, der mich wahrnimmt, dann kann der Mensch sich öffnen für Lösungsvorschläge, für Perspektivenwechsel.
Meistens, also nicht meistens, aber häufig als Eltern machen wir eben genau das Gegenteil. Wir beginnen hier zu diskutieren. Ausser das Kind kommt und sagt: „Paul war gemein zu mir in der Schule.“ Dann sind die meisten Eltern auf der Matte und stärken ihr Kind ganz fest und sehen seinen Schmerz und sein Problem und haben vollstes Verständnis.
Aber sobald ich etwas anderes will als mein Kind, habe ich die Gefahr, dass ich ins Argumentieren gehe.
Praktische Tipps für den Alltag mit Schule und Kindergarten
Morgenroutine optimieren
Visualisiere den Ablauf mit Bildern, Piktogrammen oder Kleidermännchen, wenn das für dein Kind hilfreich ist.
Legt die Kleider am Nachmittag vorher bereit, wenn das Kind noch Kapazität hat, nicht erst am Abend, wenn es vielleicht schon übermüdet ist.
Nutze Timer oder Lieder als Zeitgeber statt ständig zu erinnern. Das nimmt dich aus der Kampfebene raus.
Plane genug Pufferzeit ein, auch wenn andere Kinder schneller sind. Dein Kind braucht vielleicht einfach mehr Zeit.
Begleite dein Kind eng, wenn es das braucht, auch wenn es aufwendig ist. Die Frage ist immer: Was kostet mehr Ressourcen?
Ausprobieren ist okay. Wenn etwas nicht funktioniert, darfst du es wieder ändern. Es muss nicht gleich perfekt klappen.
Nach Kindergarten oder Schule
Gib deinem Kind Raum für Rückzug und Ruhe, bevor ihr in den Familienalltag startet. 10 bis 15 Minuten können schon reichen.
Erlaube Bewegung: Trampolin, Rennen, Klettern, Toben. Manche Kinder müssen die Reize über Bewegung abbauen.
Biete Körperkontakt an: Kuscheln, Buch anschauen, gemeinsam runterkommen. Deine Ruhe überträgt sich auf dein Kind.
Sei flexibel beim Essen: Muss es wirklich sofort sein? Darf das Kind vorher schon knabbern, wenn es unterzuckert ist?
Der Schulweg darf länger dauern, wenn das Kind Zeit braucht zum Ankommen. Auch wenn es dann 20 Minuten später nach Hause kommt.
Fokussiere nicht auf das Verhalten (Aggression, Wut), sondern auf die Überforderung dahinter. Was drückt dein Kind gerade aus?
Kommunikation mit der Schule
Sei transparent, wenn es schwierig ist, ohne ein Riesenfass aufzumachen. Das gibt dir einen Fallschirm.
Frage nach, wie das Kind in der Schule ist, ob es Auffälligkeiten gibt. Manchmal ist das Kind dort ganz anders als zu Hause.
Suche gemeinsam nach Lösungen, wenn das Thema länger anhält. Vielleicht hat die Lehrperson eine Idee, die helfen könnte.
Schaue das Gesamtsystem an: Ist etwas in der Schule schwierig? Gibt es einen Vorfall? Ist es tagesspezifisch?
Aber zu Beginn, in den ersten Wochen, geht es erst mal um den Übergang, nicht um das System als Ganzes.
Für dich selbst sorgen
Deine eigene Klarheit hilft deinem Kind. Wenn du innerlich klar bist, dass ihr das schafft, überträgt sich das.
Du darfst heilige Kühe über Bord werfen, wenn es in dieser Phase hilft. Das kann zeitlich begrenzt sein.
Frage dich: Was kostet mich mehr Ressourcen, das Desaster oder die intensive Begleitung?
Suche dir Unterstützung, wenn du merkst, dass du an deine Grenzen kommst. Ein Coaching oder eine Beratung kann helfen, deinen Weg zu finden.
Es geht nicht um Schuld. Wenn es schwierig ist, heisst das nicht, dass du etwas falsch gemacht hast.
Zum Schluss: Neugierig den eigenen Weg finden
Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Was für Lukas funktioniert, passt vielleicht nicht für Emma. Was für eine Familie stimmt, kann für eine andere Familie völlig unpassend sein.
Es geht darum, mit gesunder Neugier deinen eigenen Weg zu finden. Was stimmt für mich und mein Kind? Was braucht unser Familiensystem? Was sind meine Werte, und wo darf ich flexibel sein?
Du darfst ausprobieren. Vielleicht merkst du: „Nein, das ist mir zu mühsam.“ Okay, dann machst du es anders. Oder du merkst später: „Doch, ich probiere es nochmal.“ Das ist völlig in Ordnung.
Ich finde auch, man darf so ausprobieren, schauen, was für einen geht, was für das Kind geht. Vielleicht macht man dann mal ein falsches, in Anführungszeichen, oder halt nicht optimal. Und dann ist es halt so. Und dann kann man wieder justieren.
Also ich finde das zu dieser Offenheit, dass es nicht gleich perfekt klappen muss.
Wichtig ist: Du bist nicht allein. Viele Eltern von bedürfnisstarken, hochsensiblen, neurodivergenten Kindern machen ähnliche Erfahrungen. Der Schulstart und Kindergarteneintritt sind für viele Familien eine intensive Zeit.
Aber mit Struktur, Klarheit, Einfühlungsvermögen und der Bereitschaft, neue Wege zu gehen, könnt ihr das schaffen. Schritt für Schritt. Tag für Tag.
Wünschst du dir Unterstützung darin, den richtigen Weg für dich und deine Familie zu finden? Céline und Goni sind beide erfahrene Begleiterinnen von solchen Prozessen. Du erreichst uns unter post@celineschaub.ch und goni@mamaleicht.ch.
Häufig gestellte Fragen zu Herausforderungen beim Schulbesuch bei bedürfnisstarken Kindern
Warum sind Übergänge für mein Kind so schwierig?
Übergänge sind für viele neurodivergente Kinder (ADHS, Autismus, Hochsensibilität) eine grosse Herausforderung. Sie nehmen intensiv wahr, was um sie herum geschieht, brauchen mehr Zeit für Anpassungen und können sich oft nicht so schnell auf neue Situationen einstellen. Bei Schulstart und Kindergarten kommt noch der Druck von aussen dazu: Schulpflicht, Pünktlichkeit, Erwartungen.
Mein Kind will morgens nicht in die Schule. Bin ich schuld?
Nein! Es ist nicht deine Schuld. Die Schwierigkeit liegt nicht an dir als Elternteil, sondern oft an der Überforderung mit dem Übergang. Deine innere Klarheit („Wir schaffen das“) kann helfen, aber wenn es schwierig ist, bedeutet das nicht, dass du etwas falsch machst. Übergänge brauchen Zeit und individuelle Strategien.
Was kann ich tun, wenn mein Kind morgens blockiert?
Struktur und Klarheit helfen vielen Kindern: Visualisiere den Ablauf mit Bildern oder Piktogrammen, lege Kleider am Nachmittag vorher bereit (wenn das Kind noch Kapazität hat), nutze Timer oder Lieder als Zeitgeber. Manche Kinder brauchen auch enge Begleitung: Du gehst hin, bleibst dabei, führst Schritt für Schritt durch den Morgen.
Mein Kind kommt völlig überreizt aus dem Kindergarten. Was hilft?
Viele Kinder halten sich im Kindergarten zusammen und „explodieren“ dann zu Hause, weil sie sich dort sicher fühlen. Der Staudamm bricht. Was helfen kann: Rückzug und Ruhe (10-15 Minuten), Bewegung (Trampolin, Rennen), Körperkontakt (Kuscheln), etwas zu essen (bei Unterzuckerung), oder ein längerer Schulweg zum Runterkommen. Probiere aus, was dein Kind braucht.
Warum rastet mein Kind beim Essen aus, obwohl es sein Lieblingsessen ist?
Das Essen ist oft nur der Nebenschauplatz. Dahinter steckt eine Reizüberflutung oder Überforderung vom Tag. Wenn du für das Essen argumentierst, bist du energetisch auf der „falschen Seite“. Besser: Auf die Seite des Kindes hüpfen, die Gefühle begleiten, das Bedürfnis dahinter sehen. Vielleicht braucht es erst Ruhe, bevor es essen kann.
Soll ich mit der Lehrperson sprechen?
Ja, Transparenz hilft. Du musst kein Riesenfass aufmachen, aber es entlastet, wenn die Lehrperson weiss: „Der Übergang ist gerade schwierig, wir sind dran.“ So gibt es keinen Raum für Interpretationen wie „die Eltern kümmern sich nicht“. Die Lehrperson hat vielleicht auch Ideen oder sieht etwas in der Schule, das angepasst werden könnte.
Wie lange dauert es, bis sich mein Kind an Schule/Kindergarten gewöhnt?
Das ist sehr individuell. Manche Kinder brauchen nur wenige Wochen, andere mehrere Monate. Wichtig: In den ersten Wochen geht es um den Übergang, nicht um das System als Ganzes zu hinterfragen. Wenn das Thema aber über Monate anhält, lohnt es sich, tiefer zu schauen und mit der Lehrperson das Gesamtsystem anzuschauen.
Darf ich „heilige Kühe“ über Bord werfen?
Ja! Manchmal hilft es, einen Wert zeitlich begrenzt loszulassen. Zum Beispiel: Nicht alle zusammen am Tisch essen, sondern das Kind darf sich zurückziehen und später essen. Oder Kleider nicht perfekt bereitlegen, sondern pragmatisch. Das bedeutet nicht, dass du dich verleugnest, sondern dass du flexibel bist, um Ruhe reinzubringen.